NotSan-Examen – die schriftlichen Prüfungen

Bei „Aus dem Pflaster-Laster“ berichte ich von Einsätzen, dem Alltag auf der Rettungswache und von aktuellen Themen – von purer Routine bis zum Drama. Am Ende ziehe ich mein Fazit der Einsätze und zeige auf, was gut lief und was besser laufen könnte. Namen von Patienten, Orten und Kollegen lasse ich selbstverständlich aus.

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Eine Woche nach der Prüfungsvorbereitung ging es dann los – die schriftlichen Prüfungen. Der Auftakt der Prüfungsphase. Und der erste Höhepunkt des sowieso ordentlichen Stresslevels.

Drei schriftliche Prüfungen innerhalb einer Woche – Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils zwei Stunden, dazwischen jeweils einen Tag Pause. Effektiv waren wir nur für die Prüfungen in der Schule – ein Teil des Jahrgangs konnte pendeln, andere hatten sich auf eigene Kosten ein Hotel genommen.

Die Prüfungen erfolgten in der Reihenfolge, wie sie auch die NotSan-APrV nennt

  • Montags: “rettungsdienstliche Maßnahmen und Maßnahmen der Gefahrenabwehr auswählen, durchführen und auswerten; Abläufe im Rettungsdienst strukturieren und Maßnahmen in Algorithmen und Einsatzkonzepte integrieren und anwenden” – die Algorithmen und Einsatztaktik-Klausur
  • Mittwochs: “bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken, lebenserhaltende Maßnahmen und Maßnahmen zur Abwendung schwerer gesundheitlicher Schäden bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung durchführen” – Therapie und Pathophysiologie
  • Freitags: “das Handeln im Rettungsdienst an Qualitätskriterien ausrichten, die an rechtlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen orientiert sind; auf die Entwicklung des Notfallsanitäterberufs im gesellschaftlichen Kontext Einfluss nehmen” – Recht und QM.

Die Erfahrungen

Die erste Klausur – Algorithmen und Einsatztaktik

Die Aufregung vor der ersten Klausur war bei mit Abstand am größten – zum einen, weil es die erste richtige Prüfung seit der Rettungssanitäter-Äquivalenzprüfung war, zum anderen weil wir absolut nicht wussten, was uns erwartet und der Themenbereich sehr breit gefächert ist.

Vor der Klausur herrscht geschäftiges Treiben – der eine blättert nochmal die Unterlagen durch, manch einer isst was, andere hören Musik…die Bandbreite reicht von “relativ entspannt” bis zu “schon komplett” am verzweifeln.

Auftritt der Prüfungsaufsicht. Kurze Besprechung der Formalia, Kontrolle der Zulassungen und Ausweise, Austeilen der Prüfung.

Insgesamt sind es vier Fallbeispiele mit mehreren Fragen. Erster Eindruck: die Fragen sind zum Teil sehr offen gestellt. Zweiter Eindruck: der Schwerpunkt ist sehr anders, als erwartet.

Unterm Strich hatten die meisten Azubis – mich eingeschlossen – einen sehr großen Fokus auf medizinische Algorithmen (in unserem Fall die DBRD-Musteralgorithmen) gelegt. Rund die Hälfte der Klausur war nun Einsatztaktik. Ein Thema, das irgendwann mal im ersten Lehrjahr behandelt wurde und in der Prüfungsvorbereitung nicht einmal angekratzt wurde.

Nichtsdestotrotz war die Klausur durchaus machbar, auch wenn ich – zugegebenermaßen – bei ein, zwei Teilantworten mehrere Möglichkeiten geliefert hatte: ich wusste nicht, worauf der Ersteller nun hinauswollte.

Fazit: die Prüfung war durchweg machbar, allerdings haben mir die Fragestellungen durchaus Sorgen gemacht. War alles richtig? Habe ich die Antwort geliefert, die im Erwartungshorizont steht? Insgesamt empfand ich diese Prüfung mitunter als die schwerste schriftliche Prüfung.

Ergebnis: eine Person aus dem Kurs ist bei dieser Prüfung durchgefallen.

Die zweite Klausur – Therapie und Pathophysiologie

Jetzt wird’s medizinisch – mehr oder weniger.

Das Anspannungslevel war schon deutlich geringer als an Tag 1, dafür war die erste Prüfung umso mehr Gesprächsstoff, und das nicht unbedingt im positiven Sinne.

Auch hier wieder: Formalia, Austeilen der Prüfung. 120 Minuten.

Erster Eindruck: die Themen sind in etwa so, wie ich sie erwartet hatte. Die “fehlenden” medizinischen Algorithmen der ersten Klausur kamen nun heute dran.

Zweiter Eindruck: die geforderte Tiefe ist eher seicht. Einige Teilaufgaben der (erneut) vier Fallbeispiele bestanden nur aus Aufzählen – umgekehrt wurden dafür manche Maßnahmen außerhalb unserer Algorithmen abgefragt.

Die Pathophysiologie, die privat wie in der Schule in beachtlicher Tiefe behandelt wurde, wurde fast nur oberflächlich angekratzt.

Fazit: die Prüfung empfand ich als die einfachste schriftliche – es kamen überwiegend die zu erwartenden Themen, die Tiefe war für uns Prüflinge sehr dankbar.

Ergebnis: eine Person ist bei dieser Prüfung durchgefallen.

Die dritte Klausur – Recht und QM

Man kann diese Klausur mitunter als die “Hass-Klausur” schlechthin bezeichnen. Recht und QM sind zwei sehr unbeliebte, trocken-theoretische Themen, die oft einfach furchtbar unterrichtet werden. Traditionell war diese Klausur auch die mit den höchsten Durchfallquoten.

Die Anspannung im Kurs war nochmal gesunken. Man wusste schließlich, worauf man sich einstellen kann. Gleichermaßen bot sich ein Blick in ausgelaugte Gesichter. Die Woche war anstrengend, die Woche ist bald rum.

Formalia, Austeilen der Prüfung, 120 Minuten – und ab dafür.

Erster Eindruck: Recht hat einen nur sehr kleinen Anteil ausgemacht, ein Großteil der Klausur drehte sich rund um das Qualitätsmanagement und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Zweiter Eindruck: das ist echt machbar – und die Fragestellungen tatsächlich eindeutig.

Auch (oder gerade weil) es der unbeliebteste Themenbereich ist, war die Prüfungsvorbereitung auf diese Klausur sehr intensiv – und absolut auf den Punkt. Fairerweise muss ich sagen: in Bezug auf die schriftlichen Prüfungen war die Prüfungsvorbereitung doch sehr allgemein und zu oft an den Schwerpunkten “vorbei unterrichtet”. Nicht so hier. Hier waren es 1-zu-1 die Themen, auf die wir vorbereitet wurden.

Fazit: eine recht entspannte Prüfung, trotz anderer Schwerpunktsetzung als erwartet. Vom Schwierigkeitsgrad etwas über der zweiten Klausur, aber deutlich unterhalb der ersten.

Ergebnis: alle haben diese Prüfung bestanden.

Tipps und Empfehlungen

Grundsätzlich gibt es für die schriftlichen Prüfungen wenig spezifisches, was man über die allgemeine Vorbereitung hinaus empfehlen kann.

Wichtig sind vor allem:

  • Zeit einplanen – rechtzeitig aufstehen und losfahren, lieber eine Stunde zu früh als “gerade noch pünktlich”. Zu spät kommen macht im Zweifelsfall nicht nur die Prüfung kaputt, sondern ist einfach ein unglaublicher und vermeidbarer Stressor.
  • Ausgeruht sein – auch wenn die meisten vor Aufregung eher weniger gut schlafen können, sollte man zeitig ins Bett gehen und vorher nichts mehr lernen. Effektiv ist letzteres ohnehin nicht einen Tag vor der Prüfung, macht aber enorm viel Stress und bringt Unsicherheit.
  • Unterlagen-Check – der Zulassungsbescheid, der Personalausweis oder Reisepass und genügend Stifte müssen dabei sein! Tasche unbedingt vor dem Prüfungstag packen.
  • Essen und Trinken mitnehmen – großen Appetit werden die wenigsten haben. Eine Kleinigkeit zum Essen sollte man allerdings auf jeden Fall mitnehmen (und auch vor der Prüfung etwas essen). Süßkram, Traubenzucker oder Studentenfutter sind gute Nervennahrung 😉
  • Zeitmanagement – die Zeitvorgabe ist zwar problemlos machbar, aber viel Reserve hat man nicht. Man sollte definitiv ein paar Probeklausuren vorab schreiben, um ein Gefühl für den Umfang und die benötigte Zeit zu bekommen. Man hängt bei einer (Teil-)Aufgabe? Überspringen, nächste machen, wenn am Ende Zeit ist nochmal versuchen.
  • Nicht krank zur Prüfung! Es mag so naheliegend sein, und man muss es trotzdem noch erwähnen: wer sich halbtot in die Prüfung quält, ist nicht prüfungsfähig. Punkt. In diesem Fall ist die Information des Prüfungsausschusses und die unverzügliche ärztliche Bescheinigung der einzige Weg – die Prüfung kann nachgeholt werden.

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Über SaniOnTheRoad

NotSan-Examen – die schriftlichen Prüfungen

SaniOnTheRoad

Notfallsanitäter, Teamleiter und Administrator des Blogs. Vom FSJler über Ausbildung bis zum Haupt- und Ehrenamt im Regelrettungsdienst und Katastrophenschutz so ziemlich den klassischen Werdegang durchlaufen. Meine Schwerpunkte liegen auf Ausbildungs- und Karrierethemen, der Unterstützung von Neueinsteigern, leitliniengerechten Arbeiten sowie Physiologie, Pathophysiologie, Pharmakologie und EKG für den Rettungsdienst.´ Mehr über mich hier.


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