Aus der Uni – ein Rettungsdienstler berichtet vom Weg ins und aus dem Medizinstudium.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort zum fünften Semester
- Medizinische Mikrobiologie, Virologie & Hygiene
- Humangenetik
- Pathologie I
- Arbeits- und Sozialmedizin I
- Ärztliche Gesprächsführung
- Querschnittsfächer
- Untersuchungskurse
- Vorbereitung und Empfehlungen
- Fazit des fünften Semesters
Vorwort zum fünften Semester
Das fünfte Semester – der Einstieg in die Klinik, die trockene Vorklinik und das Physikum liegen hinter einem, jetzt wird „richtige“ Medizin gelernt. Markiert wird diese Zäsur durch den weißen Kittel und der Tatsache, dass man ab sofort die Tage nicht mehr auf dem Campus, sondern in der zugehörigen Universitätsklinik verbringt.
Eigentlich passt der Begriff des „ersten klinischen Semesters“ weitaus besser: es kommt einem vor, als würde man auf einen Schlag ein anderes Fach studieren. Wie im ersten Semester irrt man nun (mal mehr, mal weniger stark) durch die Gebäude der Klinik und versucht, sich irgendwie zurecht zu finden.
Neben einigen eher theoretischen Fächern steht hier vor allem eine Sache erstmals auf dem Plan: echter Patientenkontakt.
Ein weiterer deutlicher Unterschied zur Vorklinik ist: es gibt nun Noten statt einem einfachen „bestanden“ oder „nicht bestanden“.
Medizinische Mikrobiologie, Virologie & Hygiene

Das stoffmengenmäßig größte Fach des ersten klinischen Semesters war mit großem Abstand „MiBi“ – allein schon, weil hier drei eigenständige Fächer zusammenkommen. Zusätzlich war auch die Immunologie-Vorlesung Bestandteil des Ganzen.
Zusammengesetzt hatte sich das Fach aus einem Praktikum sowie den Vorlesungen zu den einzelnen Fächern.
Das Praktikum fand einmal pro Woche statt und hatte sich zur Aufgabe gemacht, die (massenhaft) graue Theorie in den Kontext praktischer Anwendungsbeispiele zu setzen. Neben verschiedenen Möglichkeiten zur Erregerbestimmung, -inaktivierung und Resistenzbestimmung gehörten hier auch die Untersuchung eigener Abstriche und Proben dazu.
Insgesamt betrachtet war das Praktikum doch recht gut geeignet, relevante Vorlesungsinhalte zu wiederholen und zu vertiefen.
Die Vorlesung zur medizinischen Mikrobiologie war eine reine Online-Vorlesung mit 26 Einheiten zu so ziemlich allen Themen, die hier behandelt wurden. Entsprechend groß war zumindest der zeitliche Aufwand.
Die Vorlesungsteile Virologie, Immunologie und Hygiene waren zwar jeweils kleine Vorlesungen, haben die Masse des Lernstoffs aber definitiv nicht besser gemacht. Teils waren die Vorlesungen komplett online, teils in Präsenz, wobei zumindest die Vorlesungsfolien zur Verfügung gestellt wurden.
Prüfung: obligatorische Single-Choice-Klausur, mit 60 Fragen deutlich mehr als üblich, eine Stunde Zeit (und damit weniger Zeit pro Frage, als üblich). Die Schwerpunktsetzung der Klausur hatte einen deutlichen Schwerpunkt auf Hygienethemen, die sich weder explizit aus dem Praktikum noch den Vorlesungen ergeben haben.
Ansonsten hatten die Fragen eine wirklich derart große Bandbreite hinsichtlich Thematik und Tiefe, dass man kaum etwas allgemeines dazu sagen konnte.
Ergebnis: allein von der Stoffmenge war der Lernaufwand für dieses Fach durchaus mit der Vorklinik vergleichbar und die Klausur hatte ich durchaus als anspruchsvoll empfunden. Mit 81 % hatte es bei mir für ein „gut“ gereicht, 4 % sind durchgefallen (wenig, im Vergleich zu Vorklinik), der Durchschnitt lag bei 3,0.
Humangenetik

Gene, Mutationen, Chromosomenanalysen, Stammbäume und Arrays – die Humangenetik ist ein Fach, dass einem unweigerlich Biochemie-Vibes gibt. Und ganz in diesem Stil war es wohl mein persönliches „Angstfach“ in diesem Semester.
Auch hier gab es ein Praktikum (3 Praktikumstage) mit den Themen genetische Beratung, Molekulargenetik und Molekularzytogenetik sowie eine Online-Vorlesung (Hauptvorlesung, welche die eigentliche Theorie beinhaltet) sowie mehrere Präsenztermine mit Patientenvorstellungen.
Es war hier zwar weniger Stoff als in MiBi, jedoch trotz allem genug Input hinsichtlich der Mutationen und vor allem der Krankheitsbilder, die man lernen durfte. Reines Auswendiglernen war hier nicht drin, an einigen Stellen hat es dann doch ein µ Verständnis erfordert.
Die Online-Vorlesungen hatten am Ende ein Quiz aus Altfragen zur Lernerfolgskontrolle, was ich persönlich ganz praktisch fand – ansonsten muss man wirklich zu Gute halten, dass die Vorlesung an sich doch recht zielführend für die Klausurvorbereitung war.
Und man muss auch festhalten: die Dozenten hatten sich hier wirklich Mühe gegeben, sodass ich das Fach im Laufe des Semesters zunehmend weniger schlimm fand und ich mir am Ende sogar eingebildet hatte, hier Dinge zu verstehen 😅
Prüfung: Single-Choice-Klausur, 28 Fragen in 45 Minuten. Zwei Fragen waren dabei doppelt gewichtete Transferaufgaben, die sich auf die Inhalte der Präsenzvorlesungen bezogen haben. Mit einem normalen Vorbereitungsaufwand war die Klausur durchaus machbar, hinsichtlich der Schwerpunkte gab es keine bösen Überraschungen.
Ergebnis: 81 % und damit ein „gut“ – zum einen bin ichsehr zufrieden, da ich ein solches Ergebnis zu Beginn des Semesters nicht erwartet hätte, und zum anderen unzufrieden, da hier doch noch mehr drin gewesen wäre. Der Durchschnitt war hier eine 1,9 und die Durchfallquote lag bei 1,5 %.
Pathologie I

So wie Humangenetik unweigerlich an Biochemie erinnert, macht es die Pathologie mit Histologie. Wenn man das Fach nicht als „krass nerdy“ bezeichnet, dann eben als „Histologie in ‚krank'“.
Wie die Nummerierung erahnen lässt, gibt es hier im Laufe der Klinik noch einen zweiten Teil. Teil 1 beschäftigt sich mit der allgemeinen Pathologie und den Grundlagen der Neuropathologie, Teil 2 dann mit der Pathologie spezieller Krankheitsbilder.
Das Praktikum selbst umfasste ebenfalls nur drei Tage, einmal eine Führung durch die Pathologie der Universitätsmedizin und was dort so gemacht wird, einmal nicht-neoplastische Erkrankungen (v.a. Entzündungen) und einmal Tumorpathologie. In letzteren beiden Fällen hieß es: mikroskopieren.
Die Vorlesungen wurden komplett hybrid angeboten – online und in Präsenz – und man war hier sogar bereit, klausurrelevante Themen gesondert zu kennzeichnen.
Am Ende des Tages ist die Pathologie für so ziemlich alles ein Grundlagenfach und durchaus interessant, wenn man sich für die Prozesse der Krankheitsentstehung begeistern kann.
Prüfung: Single-Choice-Klausur, 30 Fragen in 45 Minuten. Keine bösen Überraschungen, es wurde tatsächlich das gefragt, was aus Vorlesungs- und Praktikumsinhalte waren – lediglich einige der Bilder waren doch schwerer zuzuordnen.
Ergebnis: eine prozentuale Angabe gab es hier nicht, es wurde in diesem Fall allerdings ein „sehr gut“. Der Durchschnitt lag hier bei 2,0 und lediglich 0,5 % sind durchgefallen. Zufrieden 😊
Arbeits- und Sozialmedizin I
Wie bei der Pathologie ist auch die Arbeits- und Sozialmedizin ein zweiteiliges Fach – wobei der erste Teil, den wir hier absolviert hatten, lediglich die Sozialmedizin ist. Das ganze fand zusammen mit dem Fach „Q3“ in einer Blockwoche statt.
Eine wirklich fixe Trennung der beiden Fächer gibt es in diesem Falle nicht, da sie sich thematisch durchaus überschneiden.
Bestandteil des ganzen waren mehrere Präsenzvorlesungen und Seminare mit Anwesenheitspflicht sowie ein Praktikumstag (in meinem Fall eine Selbsterfahrung zum Thema „Leben mit Behinderung“). Klare thematische Schwerpunkte waren Pflegebedürftigkeit, Schwerbehinderung, Zuständigkeiten und Unterstützungsmöglichkeiten.
Insgesamt fand ich das Fach durchaus interessant und vom Lernaufwand überschaubar – vieles hatte man schon mal gehört oder anderweitig Bezugspunkte dazu.
Prüfung: auch hier Single-Choice-Klausur, 30 Fragen in 45 Minuten. Absolut keine bösen Überraschungen, der von mir betriebene Lernaufwand war hier fast schon übertrieben.
Ergebnis: mit 97 % ein „sehr gut“ – der Durchschnitt lag auch hier bei einer 2,0 und es ist tatsächlich niemand durchgefallen.
Ärztliche Gesprächsführung

Wenn man es simpel zusammenfassen will: es war praktisch genau das, was in Teil 2 der Medizinischen Psychologie und Soziologie in der Vorklinik gemacht wurde.
Bestandteil des Praktikums war eine verpflichtende Einführungsvorlesung in Präsenz (die ich dank einer Vollsperrung der Autobahn beinahe komplett verpasst hätte), ein Praktikumstag zum Üben mit Schauspielpatienten von Aufklärungsgesprächen (entsprechend der Prüfung) sowie die Kommunikation über Dolmetscher, eine digitale Anästhesie-Sprechstunde sowie die Kommunikation bei körperlichen Untersuchungen in Zusammenarbeit mit den Ultraschallkursen.
Klingt viel? War es auch. Offenbar zu viel, um es umsetzen zu können – tatsächlich stattgefunden hatten nur Einführungsvorlesung, Praktikum und Prüfung nur teilweise die Dolmetschergespräche; der Rest musste wegen „organisatorischer Probleme“ abgesagt werden.
Ich kann zumindest für meine Uni nicht behaupten, dass der Patientenkommunikation zu wenig Zeit eingeräumt wird. Die Umsetzung ist allerdings…naja. Ein halbfertiges Konzept funktioniert nun mal eher schlecht als recht und in einem eigentlich praxisorientierten Fach sollte vielleicht auch eine entsprechende Praxis geboten werden.
Bis auf einem Praktikumstermin gab es diese nicht – dann war schon die Prüfung angesagt. Sinniger wäre es wohl, die Prüfungen nach die Untersuchungskurse zu legen, nachdem auch etwas mehr Patientenkontakt stattgefunden hat.
Prüfung: ein 15-minütiges Aufklärungsgespräch für eine Operation, Thema war vorher bekannt und notwendige Unterlagen wurden zur Verfügung gestellt.
Ergebnis: hier hatte ich eine „minimal effort“-Vorbereitung am Vorabend gemacht und bin mit einer 1,7 aus dem Gespräch rausgegagen. Ärgerlich, da die Noten gerundet werden und so nur ein „gut“ auf der Leistungsübersicht steht – gemessen an dem nicht betriebenen Aufwand aber in dem Falle gerechtfertigt. Durchschnitt war hier eine 1,7 – und alle haben bestanden.
Querschnittsfächer
Neu im klinischen Studienabschnitt sind die Querschnittsfächer. Das sind Veranstaltungen, die bestimmte Themen fächerübergreifend behandeln…und einfach ein paar kleinere Randthemen, die wichtig sind, aber nirgendwo wirklich reinpassen.
Im ersten klinischen Semester erwartete mich Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (Q2) sowie Gesundheitsökonomie, Gesundheitssysteme, Öffentliches Gesundheitswesen (Q3).
Q2 – Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin
Das Fach GTE bestand aus dem eigentlichen Kurs in fünf Terminen und einer ergänzenden Vorlesung in Präsenz.
Behandelt wurden hier insbesondere ethische Fragen, angefangen bei Grundlagen von Ethik und Moral über Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik, Eugenik, Transplantationsmedizin und Patientenautonomie bis hin zu Entscheidungen am Lebensende.
Bei den aufkommenden Diskussionen im Kurs und dem obligatorischen Trolley-Weiche-Beispiel fühlte ich mich durchaus in den Religionsunterricht der Oberstufe zurückversetzt mit entsprechender Begeisterung…
Der Kurs hatte aber auch darüber hinaus geschafft, dass die fast drei Jahrzehnte fehlende Beschäftigung mit dem kategorischen Imperativ von Kant meinerseits beendet wurde.
Alles in allem waren es teils furchtbare, teils sehr interessante Diskussionen – das Grundproblem, dass ich schon im Religionsunterricht mit solchen Themen hatte, blieb: am Ende bin ich hier nicht wirklich „schlauer“ hinausgegangen. Ethik ist da durchaus sehr relativ.
Prüfung: mündliche Prüfung in Zweier-Teams, jeweils zehn Minuten Prüfungszeit. Angefangen bei verschiedenen Grundlagendefinitionen bis hin zu praktischen Anwendungsbeispielen. Zumindest aus meiner Sicht war es ein durchaus angenehmes Gespräch.
Ergebnis: „bestanden“ oder „nicht bestanden“ wurde unmittelbar nach der Prüfung mitgeteilt, die Noten kamen einige Tage später: es hatte tatsächlich für ein „sehr gut“ gereicht. Der Durchschnitt lag hier bei 1,8, durchgefallen ist niemand.
Q3 – Gesundheitsökonomie, Gesundheitssysteme, Öffentliches Gesundheitswesen
Ein eher trockenes Fach, dass zusammen mit Sozialmedizin Teil der Blockwoche dieses Semester war. Thematische Schwerpunkte waren die Grundlagen der Gesundheitsökonomie, die Finanzierung des Gesundheitswesens, Aufgaben der Krankenkassen und sonstiger Teile der Sozialversicherung und Aufgaben des öffentlichen Gesundheitswesens.
Teilweise durchaus interessant, teilweise aber auch sehr kompliziert – und man geht unweigerlich mit dem Gefühl raus, dass es an ein Wunder grenzt, dass die Finanzierung des Gesundheitswesens überhaupt funktioniert.
Prüfung: wieder eine Single-Choice-Klausur mit 30 Fragen in 45 Minuten. Sehr fair.
Ergebnis: mit 93 % ein „sehr gut“. Der Durchschnitt lag bei 1,8, durchgefallen ist niemand.
Untersuchungskurse
Wahrscheinlich den größten Unterschied zur Vorklinik bildeten die Untersuchungskurse. In den Fächern Innere Medizin, Neurologie, HNO und Augenheilkunde wurden die Grundlagen der Untersuchung in den jeweiligen Fächern vorgestellt und teils an Simulatoren, teils an den Kommilitonen, teils an Schauspielpatienten und teils an echten Patienten geübt.
Also: hier gab es zum ersten Mal „richtigen“ Patientenkontakt – zumindest teilweise 😉
Hier standen ebenfalls praktische Prüfungen in Form von OSCEs (objective structurized clinical examination) an – also eine klinische Prüfung an Schauspielpatienten mit klarem Erwartungshorizont. Die Prüfungen fanden für alle Kurse an einem Tag statt, insgesamt gab es zehn Stationen, die nacheinander durchlaufen wurden.
U-Kurs Innere Medizin
Der wahrscheinlich größte Untersuchungskurs war der in der Inneren Medizin – zum einen, weil hier auch die allgemeine Anamneseerhebung Bestandteil war, zum anderen, weil hier verschiedene Organsysteme untersucht werden müssen.
Der Kurs war dabei durchaus systematisch aufgebaut und hat mit „Trockenübungen“ am Simulator begonnen und ging weiter über Schauspielpatienten, der Großteil des Untersuchungskurses fand allerdings tatsächlich gemeinsam mit den Assistenzärzten auf den Stationen statt.
Auch wenn hier die Vorkenntnisse aus dem Rettungsdienst sehr hilfreich waren, konnte ich durchaus noch das ein oder andere mitnehmen.
Gegen Ende wurden die theoretischen Wiederholungen aber irgendwann doch recht langatmig und man hatte schlicht alles prüfungsrelevante bereits dreimal besprochen.
Prüfung: OSCE in vier Stationen – Anamneseerhebung, Untersuchung von Lunge, Herz und Abdomen. Mit einer Prüfungszeit von lediglich sechs Minuten pro Station erstaunlich schnell erledigt.
Ergebnis: ich konnte die ohnehin knappe Prüfungszeit meist noch unterbieten – im Endergebnis wurde es ein „sehr gut“. Der Durchschnitt lag hier bei 1,1 – und niemand ist durchgefallen.
U-Kurs Neurologie
Der zweite etwas größere Untersuchungskurs war die Neurologie. Es gab hier eine verpflichtende Einführungsvorlesung, sonst fand der Kurs gemeinsam mit einer festen Assistenzärztin einmal wöchentlich über das ganze Semester hinweg statt.
Im Kurs selbst sind wir verschiedene neurologische Untersuchungen nach und nach durchgegangen, haben an uns gegenseitig geübt und das Ganze – deutlich über die Prüfung hinaus – zu einer vollständigen neurologischen Untersuchung mit sinnvoller Reihenfolge aufgebaut.
Das war auch gut so, da das Kursskript doch eher dürftig war.
Am Ende des Kurses ging es auch hier auf die Station mit der Untersuchung „echter“ Patienten und einer Fallvorstellung. Vom Aufbau sehr gut gemacht, auch in Hinblick auf das Vermitteln des notwendigen Backgrounds, da im Gegensatz zu den anderen „praktischen“ Fächern hier keine Vorlesung parallel stattfand.
Prüfung: OSCE in zwei Stationen – und mein Einstieg in die Prüfungsrunde. Thematisch hatte ich einmal die Hirnnerven erwischt und einmal das Vibrationsempfinden. Insgesamt sehr angenehm, recht schnell erledigt und sogar noch Zeit für Smalltalk gehabt.
Ergebnis: erstaunlich langes Warten auf die Prüfungsergebnisse. Das Ergebnis vom Neuro-Kurs war definitiv das, auf welches am längsten gewartet werden musste – einen Monat lang (ja, wirklich!). Dafür hatte sich das Warten aber auch hier gelohnt: mit einem weiteren „sehr gut“ auf dem Leistungsnachweis ging auch dieser Kurs erfolgreich zu Ende. Der gerundete Schnitt lag hier bei 1,0 und niemand ist durchgefallen.
U-Kurs HNO
Der Untersuchungskurs in der HNO war einer der kleineren U-Kurse – sechs Termine, einer entfiel auf die Einführungsvorlesung. Ansonsten ging es in einem Potpourri aus dem Spiegeln, Ultraschall, Neurootologie und Phoniatrie durch die HNO.
Patientenuntersuchungen standen hier keine an, die Untersuchungen wurden gegenseitig geübt oder demonstriert. Das Skript war hier tatsächlich gut gemacht und für jeden Kurstag gab es auch entsprechende Untersuchungsvideos, sodass Vor- und Nachbereitung gut möglich waren.
Ein Endoskop in so ziemlich jeder Öffnung des Kopfes gehabt zu haben ist…eine Erfahrung. Müsste ich jetzt nicht wiederholen 😅
Prüfung: OSCE in zwei Stationen – wobei „klinische Prüfung“ und „Untersuchung“ hier durchaus in Anführungszeichen stehen müssen. Abgesehen von einer Trockendemonstration des Spiegelns wurde hier weitaus mehr Theorie gefragt (Instrumentarium und Strukturen auf Endoskopie-Bildern benennen).
Ergebnis: ähnlich wie der Untersuchungskurs eine sehr entspannte Prüfung – und ebenfalls mit „sehr gut“ abgeschlossen. Durchschnitt: 1,7.
U-Kurs Augenheilkunde
Wer das berühmte „Ich weiß nicht, welche Fachrichtung ich wählen soll“ kennt, weiß, dass eine Frage des Entscheidungsbaumes „Wofür kannst Du am ehesten Interesse vortäuschen?“ mit „Augen“ oder „Ausschlag“ beantwortet werden kann.
Ehrlicherweise hatte ich keine großen Erwartungen an diesen, ebenfalls eher kleinen, Untersuchungskurs – umso mehr war ich positiv überrascht. Unsere Assistenzärztin, die uns den gesamten Kurs über betreut hatte, war sehr engagiert und auch die Untersuchungsvideos zur Vor- und Nachbereitung des Kurses waren gut gemacht.
Man hatte sich also für dieses doch sehr spezielle Fach wirklich Mühe gegeben und das hat durchaus überzeugt. Vielleicht auch, weil der Kurs teilweise total triviale (aber im Leben nützliche Dinge) wie eine einfache Fremdkörperentfernung aus dem Auge oder die korrekte Gabe von Augentropfen beinhaltet hat.
Prüfung: OSCE in zwei Stationen – einmal die Vorstellung eines Schauspielpatienten mit Glaukomverdacht (Visusprüfung und orientierende Ermittlung des Augeninnendrucks), einmal die Beurteilung des Fundusreflexes beim Brückner-Test.
Ergebnis: eine durchaus dankbare Prüfung, auch wenn eine Prüferin einen doch kritisch beäugt hatte (Wortwitz beabsichtigt). Die Prüfung lief gut und so konnte ich hier ein weiteres „sehr gut“ verbuchen. Durchschnitt: 1,5.
Vorbereitung und Empfehlungen
Der generelle Klassiker des Zeit- und Lernmanagements darf natürlich auch hier nicht als Einstieg fehlen 😅
Siehe auch
Für die großen, eher theoretischen Lernfächer bleibt auch hier der Rat: frühzeitig mit dem Lernen anfangen und möglichst kontinuierlich das Semester über durchlernen. Das macht die tendenziell sehr kompakte Prüfungsphase – bis zu vier Prüfungen in einer Woche – doch wesentlich entspannter.
Die grundsätzliche Lernstrategie blieb mit durcharbeiten, zusammenfassen, Karteikarten so ziemlich die Gleiche. Fairerweise haben hier die Vorlesungen und die Vorlesungsfolien eine deutlich größere Rolle gespielt als in der Vorklinik – zum einen für die Schwerpunktsetzung, zum anderen, weil sie hier tatsächlich weitgehend das abgebildet hatten, was letztendlich auch geprüft wurde.
Ansonsten war das große Lerntool wie bei der Physikumsvorbereitung viamedici sowie in Teilen Amboss. Lehrbücher hatten hier zwar auch eine Rolle gespielt, im Vergleich zur Vorklinik aber eine kleinere.
Medizinische Mikrobiologie, Virologie & Hygiene
Angesichts des sehr umfangreichen Lernstoffs ist hier wohl ein exzellentes Zeitmangement der entscheidende Faktor, nicht unbedingt das Lernmaterial.
Im Wesentlichen waren Vorlesungsfolien, Praktikumsskript und viamedici Grundlage meiner Vorbereitung – zusätzlich kann man durchaus auch das Werk aus der Dualen Reihe zum Nachschlagen empfehlen.
Literaturempfehlungen
Hof H. et al. (2022): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, 8. unveränderte Auflage. Georg Thieme Verlag KG.
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Humangenetik
Vorlesungsfolien, Praktikumsskript, viamedici – you name it. Und vor allem sich Zeit nehmen, die Dinge zu verstehen.
Eine sinnvolle, aber aus meiner Sicht nicht zwingend notwendige Ergänzung wäre das Taschenlehrbuch Humangenetik.
Literaturempfehlungen
Murken J. D. et al. (2017): Taschenlehrbuch Humangenetik, 9. Auflage. Georg Thieme Verlag KG.
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Pathologie I
Vorlesungen anschauen (und verstehen), grundlegende Mechanismen auswendig lernen und typische Gewebeveränderungen im Mikroskop (oder am Rechner) erkennen können. Den theoretischen Background hatte ich hier auch überwiegend mit viamedici gelernt.
Zumindest für den ersten Teil der Pathologie benötigt man nicht zwingend ein Lehrbuch.
Arbeits- und Sozialmedizin I, Q2 und Q3
Vorlesungsfolien, in den jeweiligen Kursen aufpassen – das war’s. Große Teile hiervon hat man mindestens mal gehört und die Stoffmenge ist doch überschaubar. Ein einfaches „don’t panic“ reicht hier.
Ärztliche Gesprächsführung
Wenn ich ehrlich bin: eine wirkliche Vorbereitung kann ich hier nicht empfehlen – allenfalls die Themen aus MPMS aus der Vorklinik wiederholen.
Ansonsten: wenn man jetzt keinen vorherigen Patientenkontakt hatte, bietet es sich durchaus an, die Gespräche mit Kommilitonen zu üben.
Untersuchungskurse
Auch hier ist die eigentliche Empfehlung eine recht naheliegende: lest euch das Kursskript durch, passt in den Kursen auf, schaut euch Untersuchungsvideos an, wenn es welche gibt.
Damit man das alles gut in der Prüfung präsentieren kann, ist Routine wichtig – also übt praktisch, egal ob an Kommilitonen, Freunden, Familie oder Kollegen. Das war durchaus das erste Mal, wo ich von meiner Vorerfahrung wirklich profitieren konnte.
Theoretischer Background: Duale Reihe Anamnese und klinische Untersuchung – generell ein empfehlenswertes „Must-have“ für die Klinik.
Literaturempfehlungen
Füeßl H. S. et al. (2022): Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung, 7. überarbeitete Auflage. Georg Thieme Verlag KG.
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Fazit des fünften Semesters
„In der Klinik wird alles besser“
– so der O-Ton aller Studierenden.
Und ja, es wird wirklich besser. Deutlich. Und, ohne zu übertreiben: so hatte ich mir das Medizinstudium eigentlich vorgestellt.
Es ist immer noch viel zu lernen und es wird einem hier auch sicher nichts geschenkt – aber es ist einfach realistisch, die Erwartungen zu erfüllen. Das spiegelt sich nicht nur in meist guten Noten, sondern auch in extrem niedrigen Durchfallquoten wieder.
Während hier bei einer Durchfallquote von 5 % schon von einer „schlechten Klausur“ gesprochen wird, war eine Klausur in der Vorklinik schon dann gut, wenn die Bestehensgrenze nicht heruntergesetzt werden musste.
Man spürt hier nicht nur einen Funken Menschlichkeit, sondern die Dozenten sind nett und wirklich bemüht, einen etwas beizubringen – und nicht nur Stoff runterzurattern. Man spürt hier deutlich einen Unterschied, erstmals fast ausschließlich vom eigenen Fach ausgebildet zu werden, statt von mehr oder minder fachfremden Naturwissenschaftlern.
Kurzum: das Studium macht mittlerweile Spaß und man lernt Dinge, die man tatsächlich auch brauchen kann – sei es unmittelbar im Rettungsdienst oder für das spätere Berufsleben. Ein regelrechter Kulturschock bei dem es einem teilweise so vorkommt, als würde man ein gänzlich anderes Fach studieren…
Gleichermaßen wirft das auch wieder ein entsprechendes Licht auf die Vorklinik. Eine wirklich sinnvolle Vorbereitung auf das, was einem in der Klinik erwartet, stellt sie einfach nicht da. Punkt.
Diese extreme Stoffmenge, dieses massige Auswendiglernen von Fußnoten, um irgendwie durch Klausuren und Physikum zu kommen…hat in der Welt der Klinik keinerlei Relevanz und auch keinerlei praktischen Nutzen. Notwendige Grundlagen werden – im Vergleich sehr oberflächlich – sowieso vor einem Themeneinstieg nochmals wiederholt. Kurz, knackig und auf das Wesentliche beschränkt.
Interessenkonflikte
Der Autor gibt an, dass es sich bei den verlinkten Büchern um Affiliate-Links handelt. Es entstehen keine zusätzlichen Kosten bei der Bestellung über den Link. Eine Einflussnahme bei der Auswahl der Literatur ist dadurch nicht erfolgt. Siehe auch: Hinweise zu Affiliate-Links.
Der Autor gibt an, dass keine Interessenkonflikte bestehen.
Quellen
Elsenhans I. (2015): Hilfe! Welche Fachrichtung ist die richtige für mich?, abgerufen unter https://m.thieme.de/viamedici/arzt-im-beruf-weiterbildungs-coach-allgemeine-infos-1570/a/hilfe-welche-fachrichtung-ist-die-richtige-fuer-mich-26354.htm am 24.02.2025
SaniOnTheRoad (2024): Das Physikum, abgerufen unter https://saniontheroad.com/physikum/ am 24.02.2025
SaniOnTheRoad (2024): Lernen lernen, abgerufen unter https://saniontheroad.com/lernen/ am 24.02.2025
SaniOnTheRoad (2024): Das vierte Semester, abgerufen unter https://saniontheroad.com/das-vierte-semester/ am 24.02.2025
SaniOnTheRoad (2023): Zweites Semester? Check!, abgerufen unter https://saniontheroad.com/zweites-semester-check/ am 24.02.2025
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