Erste Hilfe: Schlaganfall

EH-Basics – eine Kategorie, eine Zielsetzung: Grundlagen der Ersten Hilfe einfach, unkompliziert und anschaulich zu erklären.

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Es gibt jährlich rund 270.000 Schlaganfälle in Deutschland. Ein Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter und die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Mit jeder Minute ohne Versorgung sterben Millionen von Hirnzellen unwiederbringlich ab. Ein

Ein schnelles Erkennen eines Schlaganfalls und das richtige Handeln stellen somit wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten für den Ersthelfer da – es rettet Leben und Lebensqualität.

Grundregeln

Grundregel Nr. 1: Ruhe bewahren!

Stress und Panik sind kontraproduktiv. Beruhigen und kontinuierlich betreuen sind Gebote der Stunde. Schlaganfallpatienten sollten wegen möglicherweise eingeschränkter Schutzreflexe unter keinen Umständen essen und trinken!

Grundregel Nr. 2: Warnsignale ernst nehmen!

Typische neurologische Störungen, wie eine akut aufgetretene Halbseitenschwäche (oder -lähmung), Sprach- und Gangstörungen, sind Hinweisgeber auf einen Schlaganfall.

Auch wenn diese Symptome nur Minuten andauern, sind sie im weiteren Verfahren genauso zu behandeln, wie ein “großer” Schlaganfall.

Siehe auch: einen Notfall erkennen!

Grundregel Nr. 3: Frühzeitig Hilfe anfordern!

Ein frühzeitiges Absetzen des Notrufs ist das A und O – nur so kann eine Behandlung eingeleitet werden und das betroffene Areal eingegrenzt werden. Das Risiko von schweren, bleibenden Schäden wird so reduziert.

Schlaganfallpatienten werden niemals selbst in die Klinik gefahren!

Einen Schlaganfall erkennen

Basics

  • Leitsymptom: akute Lähmungen und/oder Sprachstörungen
  • FAST: Face – Arms – Speech – Time

Leitsymptome eines Schlaganfalls sind plötzlich aufgetretene neurologische Störungen. Besonders typisch sind die “Halbseitenschwäche” oder Halbseitenlähmung, bei der der Betroffene eine Körperhälfte nicht mehr oder nur eingeschränkt bewegen kann, Lähmungen der Gesichtsmuskulatur (“hängender Mundwinkel”) und Sprachstörungen (verwaschene Sprache bis zur Unfähigkeit, zu sprechen).

Zur Identifikation eines Schlaganfallverdachts wird der FAST-Test verwendet:

  • Face – der Betroffene wird gebeten, zu lächeln, die Backen aufzupusten und die Stirn zu runzeln. Kann er eines davon nicht, gilt der Test als positiv.
  • Arms – der Betroffene wird gebeten, die Arme mit den Handflächen nach vorne oben auszustrecken, die Augen zu schließen und die Arme oben zu halten. Sinkt ein Arm ab, gilt der Test als positiv
  • Speech – der Betroffene wird gebeten, einen Testsatz nachzusprechen. Kann er dies nicht, oder er hat eine verwaschene Sprache, ist der Test positiv.
  • Time – Wann war der Symptombeginn? Wichtig für die Weiterbehandlung! Keine Zeit verlieren – sofort Notruf (über 112) absetzen!

Weitere Symptome, die im Rahmen eines Schlaganfalls auftreten können, sind beispielsweise

  • plötzliche Stand- und Gangunsicherheit,
  • Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit,
  • Krampfanfälle,
  • Schwindel,
  • Kopfschmerzen, evtl. “Vernichtungskopfschmerz”,
  • Sehstörungen wie Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle,
  • Übelkeit, Erbrechen

Was tun?

Basics

  • Schlaganfall erkennen: positiver FAST-Test, evtl. Begleitsymptome
  • Frühzeitig Hilfe organisieren – frühzeitiger Notruf essentiell!
  • psychische Betreuung sicherstellen
  • Lagerung: mit erhöhtem Oberkörper lagern. Ausnahme: Kreislaufprobleme, dann Flachlagerung. Keine Schocklage!
  • Bei Atemnot beengende Kleidung öffnen
  • bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, bei Herz-Kreislauf-Stillstand Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen

Schlaganfall erkennen

Bei Vorliegen des Leitsymptoms “akute neurologische Störung”, insbesondere akute Lähmungen und Sprachstörungen, an einen Schlaganfall denken.

Auch mehrere untypische Symptome sollten bei Risikopatienten – Alter > 70 Jahre, Bluthochdruck, Raucher, Übergewichtig, Diabetiker, vorheriger Schlaganfall – als Schlaganfall gedeutet werden.

Hilfe organisieren

Bei einem offensichtlich begründeten Verdacht (positiver FAST) muss umgehend der Notruf (über die 112) abgesetzt werden.

Befindet man sich im öffentlichen Raum, sollte umgehend weitere Hilfe, z.B. durch Passanten, organisiert werden. Niemals weggehen und den Patienten alleine lassen!

Bei mehreren untypischen (aber möglichen) Symptomen eines Risikopatienten sollte ebenfalls direkt der Notruf (über die 112) abgesetzt werden, ebenso in allen Zweifelsfällen. Bei untypischen Symptomen und einem niedrigen Risiko sollte der Hausarzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117, ohne Vorwahl) verständigt werden.

Erstmaßnahmen ergeifen

Der Betroffene sollte nach Möglichkeit sicher hingesetzt werden, sodass er auch bei einem Bewusstseinsverlust nicht herunterfällt – gegebenenfalls bieten sich Sessel, Sofa oder der Boden an. Essen und trinken ist zu unterlassen!

Der Oberkörper sollte erhöht gelagert werden, der Kopf sollte möglichst gerade gehalten werden – bei Blässe, Kaltschweißigkeit und Schwindel sollte der Betroffene flach hingelegt werden. Keine Schocklage!

Bei zusätzlicher Atemnot ist beengende Kleidung zu öffnen und auf Frischzuluftzufuhr zu achten.

Insbesondere im öffentlichen Raum ist ein ausreichender Wärmeerhalt zwingend notwendig – Decke organisieren lassen!

Der Betroffene ist zu beruhigen – jeglicher zusätzlicher Stress und jede zusätzliche Belastung muss vermieden werden.

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ist der Betroffene kontinuierlich weiter zu betreuen – er wird niemals allein gelassen!

Wird der Betroffene bewusstlos, erfolgt eine Atemkontrolle mit überstrecktem Kopf und er wird bei normaler Atmung in die stabile Seitenlage verbracht. Ist der Betroffene bewusstlos und atmet nicht normal, wird mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Risikopatienten sollten ihren Gesundheitszustand regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen.

Die Ratschläge zur persönlichen Notfallvorsorge sollten unbedingt beherzigt werden – von Risikopatienten, als auch von ihren Angehörigen!

Da auch die Erste Hilfe stetig im Wandel ist und nur ein regelmäßiges Training eine sichere Anwendung garantiert, ist eine Auffrischung der Kenntnisse, spätestens alle zwei Jahre, eigentlich als Pflicht anzusehen.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Für alle Erkrankungen und medizinischen Probleme, die nicht akut lebensgefährlich sind (aber dennoch zeitnah ärztlich behandelt werden sollen), gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Dieser übernimmt die Aufgaben des Hausarztes außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten und macht bei Bedarf auch Hausbesuche.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist bundesweit kostenlos unter der 116117 (ohne Vorwahl) erreichbar – auch am Wochenende, an Feiertagen und nachts. Siehe auch 116117.de.

Im Notfall

Bei akuten, lebensbedrohlichen Erkrankungen und Verletzungen ist umgehend Erste Hilfe zu leisten und der Rettungsdienst zu verständigen.

Bei akuten Notfällen ist der Notruf von Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt die 112 (ohne Vorwahl).

Quellen

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2017): DGUV Information 204-006 – Anleitung zur Ersten Hilfe, abgerufen unter https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/698 am 03.12.2020

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2017): DGUV Information 204-007 – Handbuch zur Ersten Hilfe, abgerufen unter https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/826 am 03.12.2020

SaniOnTheRoad (2020): Persönliche Erste-Hilfe-Ausrüstung und Notfallvorsorge, abgerufen unter https://saniontheroad.com/einen-notfall-erkennen/ am 03.02.2022

SaniOnTheRoad (2019): Absicherung, Eigenschutz und Notruf, abgerufen unter https://saniontheroad.com/absicherung-eigenschutz-und-notruf/ am 03.02.2022

SaniOnTheRoad (2019): Die stabile Seitenlage, abgerufen unter https://saniontheroad.com/die-stabile-seitenlage/ am 03.02.2022

SaniOnTheRoad (2019): Die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Ersthelfer, abgerufen unter https://saniontheroad.com/die-herz-lungen-wiederbelebung-durch-ersthelfer/ am 03.02.2022


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Über SaniOnTheRoad

Erste Hilfe: Schlaganfall

SaniOnTheRoad

Notfallsanitäter, Teamleiter und Administrator des Blogs. Vom FSJler über Ausbildung bis zum Haupt- und Ehrenamt im Regelrettungsdienst und Katastrophenschutz so ziemlich den klassischen Werdegang durchlaufen. Meine Schwerpunkte liegen auf Ausbildungs- und Karrierethemen, der Unterstützung von Neueinsteigern, leitliniengerechten Arbeiten sowie Physiologie, Pathophysiologie, Pharmakologie und EKG für den Rettungsdienst.´ Mehr über mich hier.


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