Die stabile Seitenlage

EH-Basics – eine Kategorie, eine Zielsetzung: Grundlagen der Ersten Hilfe einfach, unkompliziert und anschaulich zu erklären.

Die stabile Seitenlage ist ein Klassiker aus dem Erste-Hilfe-Kurs und eine sehr einfache, aber durchaus lebensrettende Maßnahme – sie zählt zu den lebensrettenden Sofortmaßnahmen.

Spätestens seit der Einführung der “vereinfachten” Version der stabilen Seitenlage wird gerne diskutiert, wie sie nun richtig geht – und die Frage, wann sie überhaupt angewendet werden soll, schwirrt auch in den Köpfen vieler herum.

Absolute Grundlage ist jedoch auch hier: Eigenschutz beachten!

Wann ist die stabile Seitenlage notwendig?

Die stabile Seitenlage ist immer dann notwendig, wenn eine Person bewusstlos ist – das heißt: keine Reaktion auf Ansprache oder Rütteln – aber dennoch normal atmet.

Grundregel Nr. 1: Jeder Bewusstlose kommt in die stabile Seitenlage!

Bewusstlosigkeit feststellen

Basics

Ansprechen – Anfassen – Atemkontrolle!

Das Vorgehen entspricht hier genau dem “Auffinden einer leblosen Person” bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Also laut und deutlich Ansprechen – zuerst aus der Entfernung, dann aus der Nähe.

Reagiert die Person hierauf nicht, sollte man sie Anfassen und versuchen, zu erwecken – zum Beispiel, in dem man an den Schultern rüttelt.

Bleibt auch hier eine Reaktion aus, gilt die Person als bewusstlos – und ist somit definitiv in einem kritischen Zustand. Spätestens hier sollte man aktiv Hilfe holen, zum Beispiel umstehende Personen herbeirufen. Ist man allein, ist es auch hier schon legitim, einen Notruf über die 112 (ohne Vorwahl) abzusetzen.

Bei der Atemkontrolle muss der Betroffene auf dem Rücken liegen, der Kopf zwingend nach hinten überstreckt sein und das Kinn angehoben werden, um die Atemwege frei zu machen. Es gilt: Sehen, hören, fühlen – und das für mindestens fünf Sekunden, aber nicht mehr als zehn Sekunden!

Ein Ohr wird über den Mund des Betroffenen gehalten, der Blick geht Richtung Füße. Sieht man weder das Heben und Senken des Brustkorbs, noch hört oder fühlt man die Atmung in dem Zeitraum, muss von einem Atemstillstand ausgangen werden.

Atmet der Patient nach dem Freimachen der Atemwege durch Überstrecken des Kopfes normal, so ist er in die stabile Seitenlage zu bringen.

Atmet der Patient gar nicht oder nicht normal, muss sofort die Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden.

Spätestens nach der Atemkontrolle muss der Notruf über die 112 erfolgen, wenn er nicht schon vorher abgesetzt wurde.

Die stabile Seitenlage durchführen

Basics

  • Der Patient muss sicher auf der Seite liegen, ohne auf den Bauch oder den Rücken zu fallen
  • der Kopf muss zwingend überstreckt sein!
  • der Mund muss zwingend der tiefste Punkt sein!

Andere Vorgaben geben die Leitlinien auch nicht her – es ist also vollkommen egal, welche Version der stabilen Seitenlage man anwendet. Solange die Punkte oben beachtet werden, ist von einem gleichbleibenden Erfolg auszugehen.

Variante 1: “vereinfachte” oder “neue” Version

  1. Man kniet neben dem auf dem Rücken liegenden Betroffen, Arme liegen parallel am Körper und Beine des Betroffenen sind ausgestreckt
  2. Der dem Helfer nahe Arm des Betroffenen wird angewinkelt nach oben gelegt (Handfläche nach oben)
  3. Der dem Helfer ferne Arm des Betroffenen wird gegriffen und die Handoberfläche auf die dem Helfer zugewandete Wange gelegt und dort gehalten.
  4. Das vom Helfer ferne Bein wird gegriffen und angewinkelt.
  5. Der Betroffene wird nun auf die Seite des Helfers gedreht. Griff auf Knie- und Schulterhöhe.
  6. Der nun oben liegende Oberschenkel wird im rechten Winkel zum Körper gelegt.
  7. Der Kopf wird überstreckt und mit der Hand an der Wange so fixiert, dass er stabil liegt. Der Mund muss an der tiefsten Stelle sein.

Das entspricht sinngemäß der vom DRK vorgegebenen Empfehlung, die auch in den Erste-Hilfe-Kursen gelehrt wird. Eine Anleitung per Video gibt’s hier.

Grafische Darstellung der “vereinfachten” Version der stabilen Seitenlage. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0-Lizenz.

Variante 2: die “alte” Version

  1. Man kniet neben dem auf dem Rücken liegenden Betroffen, Arme liegen parallel am Körper und Beine des Betroffenen sind ausgestreckt
  2. Das dem Helfer nahe Bein wird angewinkelt
  3. Die dem Helfer nahe Hand wird unter das Gesäß geschoben (Handfläche nach unten)
  4. Der dem Helfer ferne Arm des Betroffenen wird gegriffen und die Handoberfläche auf die dem Helfer zugewandete Wange gelegt.
  5. Der Betroffene wird zum Helfer gedreht – Griff an Schulter und Hüfte (ggf. Gürtel nutzen)
  6. Der unten liegende Arm des Betroffenen wird unter der Hüfte hervorgezogen und angewinkelt
  7. Der Kopf wird überstreckt und mit der Hand an der Wange so fixiert, dass er stabil liegt. Der Mund muss an der tiefsten Stelle sein.

Für Ungeübte ist diese Variante schwieriger und sie erfordert beim Drehen einen größeren Kraftaufwand.

Endposition der “alten” stabilen Seitenlage. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0-Lizenz.

Anleitung als Video

Wie geht es weiter?

Basics

  • Fortlaufend überwachen! Regelmäßige Atemkontrolle!
  • Wärmeerhalt!

Der Patient wird permanent überwacht, bis der Rettungsdienst eintrifft. Insbesondere die Atmung ist hierbei regelmäßig zu kontrollieren, um einen Kreislaufstillstand festzustellen. Dann muss unverzüglich die Herz-Lungen-Wiederbelebung eingeleitet werden.

Bewusstlose kühlen extrem schnell aus, was gravierende Folgen haben kann. Der Wärmeerhalt ist daher unbedingt notwendig, z.B. mittels Rettungsdecke.

Wenn möglich sollte die Auflagefläche auf dem Boden mit einer Rettungsdecke abgedeckt werden. Der Wärmeverlust durch das direkte Aufliegen ist enorm.

Empfehlung

Für Ungeübte und weniger Kräftige empfehle ich die vereinfachte Version der stabilen Seitenlage, da sich doch einen Hauch intuitiver zu erlernen ist und man die Hebelwirkung besser ausnutzen kann.

Allerdings braucht auch die stabile Seitenlage etwas Übung – daher auch hier die Empfehlung zur Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs, wo diese grundsätzlich Bestandteil ist.

Das ist aus meiner Sicht eine sehr gute Investition, wenigstens alle zwei Jahre. Die meisten Notfälle, die man erlebt, betreffen keine Fremden, sondern Freunde, Familie und Kollegen.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Für alle Erkrankungen und medizinischen Probleme, die nicht akut lebensgefährlich sind (aber dennoch zeitnah ärztlich behandelt werden sollen), gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Dieser übernimmt die Aufgaben des Hausarztes außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten und macht bei Bedarf auch Hausbesuche.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist bundesweit kostenlos unter der 116117 (ohne Vorwahl) erreichbar – auch am Wochenende, an Feiertagen und nachts. Siehe auch 116117.de.

Im Notfall

Bei akuten, lebensbedrohlichen Erkrankungen und Verletzungen ist umgehend Erste Hilfe zu leisten und der Rettungsdienst zu verständigen.

Bei akuten Notfällen ist der Notruf von Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt die 112 (ohne Vorwahl).

Quellen

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2017): Handbuch zur Ersten Hilfe, DGUV Information 204-007, Stand 01/2017, abgerufen unter https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/826 am 02.02.2022

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2017): Anleitung zur Ersten Hilfe, DGUV Information 204-006, Stand 11/2017, abgerufen unter https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/698 am 02.02.2022

Deutscher Rat für Wiederbelebung (2021): Reanimation 2021 – Leitlinien kompakt, abgerufen unter https://www.grc-org.de/files/ShopProducts/download/Leitlinien%20kompakt_08.11.2021.pdf am 02.02.2022

YouTube (2013): Erste Hilfe – Stabile Seitenlage, abgerufen unter https://www.youtube.com/watch?v=pf_a2tUy-y4 am 09.03.2022

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Über SaniOnTheRoad

Die stabile Seitenlage

SaniOnTheRoad

Notfallsanitäter, Teamleiter und Administrator des Blogs. Vom FSJler über Ausbildung bis zum Haupt- und Ehrenamt im Regelrettungsdienst und Katastrophenschutz so ziemlich den klassischen Werdegang durchlaufen. Meine Schwerpunkte liegen auf Ausbildungs- und Karrierethemen, der Unterstützung von Neueinsteigern, leitliniengerechten Arbeiten sowie Physiologie, Pathophysiologie, Pharmakologie und EKG für den Rettungsdienst.´ Mehr über mich hier.


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